Das Projekt Wilhelmsburg

Beschreibung des Projektes Wilhelmsburg – Die Stadt in der Festung

Die Bundesfestung mit der dazugehörigen Wilhelmsburg gehört zu der größten erhaltenden Festungsanlage Europas. Das Bauwerk umschließt die beiden Städte Ulm und Neu-Ulm und prägt die Stadtstruktur bis heute sichtbar. Mit der Weiterentwicklung der Militärtechnik verlor die Bundesfestung an Bedeutung und die Wilhelmsburg geriet zunehmend in Vergessenheit.

Ziel ist es, der Wilhelmsburg wieder eine dauerhafte Nutzung zuführen und sie stärker an den Stadtkörper anzubinden. Hierfür wurden folgende Bausteine identifiziert: 1. Inhaltliche Weiterentwicklung auf Grundlage der bislang erarbeiteten Nutzungsszenarien, 2. Schaffung einer äußeren und 3. inneren Erschließung, sowie 4. die Integration in das Freiraumkonzept und 5. der Erhalt der Bausubstanz.

Im Rahmen des Förderprogramms des Bundes „Nationale Projekte des Städtebaus“ können die ersten drei Bausteine begonnen werden und teilweise umgesetzt werden. Mit dem Bau einer Straße und Brücke kann die Wilhelmsburg wieder an den Stadtkörper angeschlossen werden. Die innere Erschließung sieht die Sanierung eines Gebäudeteils für das Theater und einer ersten Nutzung vor. Mit dem Bau eines Erschließungskerns sollen,  über das Förderprogramm hinaus, das Gebäude weiterentwickelt werden.

Seit 1970 steht die Wilhelmsburg mit 30.000 qm Nutzfläche zum größten Teil leer und wurde 1986 für den symbolischen Wert von einer Mark von der Stadt Ulm erworben. Übergeordnetes Ziel ist es, der Wilhelmsburg wieder eine dauerhafte Nutzung zuzuführen und sie stärker an den Stadtkörper anzubinden. Ein Nutzungskonzept für die Wilhelmsburg wird seit Jahren diskutiert und von der Stadt gefördert. Im Arbeitskreis (AK) Wilhelmsburg wurden, mit den Fraktionen und der Verwaltung, Vorüberlegungen über die inhaltliche Ausgestaltung sowie über die infrastrukturellen Voraussetzungen angestellt. Der Arbeitskreis identifizierte drei Themenschwerpunkte:

1. Entwicklungsprozess und Weiterverfolgung der Nutzungsszenarien
2. Äußere Erschließung / verkehrliche Anbindung der Wilhelmsburg
3. Innere Erschließung / technische Infrastruktur

Die drei Schwerpunkte werden durch die jeweiligen Fachbereiche und Fachabteilungen der Stadt Ulm separat bearbeitet und umgesetzt.

1. Entwicklung eines Nutzungskonzeptes – Inhaltliche Maßnahmen

Die Open-Air-Bespielung des Innenhofs  zum „Theatersommer auf der Wilhelmsburg“ soll fortgeführt werden. Dies wird als Ankerpunkt und aus heutiger Sicht fester Bestandteil des weiteren Nutzungskonzeptes gesehen.
Wie und womit die 30.000 qm Nutzfläche zukünftig genutzt werden, soll in den nächsten Jahren weiter definiert werden. Die drei großen Nutzungsszenarien aus dem Ende 2015 verabschiedeten ersten Nutzungskonzept werden ergebnisoffen weiterverfolgt.
Dank der Bundesfördermittel können in den nächsten drei Jahren drei so genannte „aktive Phasen“ durchgeführt werden, um die inhaltliche Weiterentwicklung voranzutreiben.

2. Äußere Erschließung der Wilhelmsburg – Bauliche Maßnahmen

Besonderer Schwerpunkt ist die äußere Erschließung der Wilhelmsburg – einem Bauwerk, das zur Verteidigung der Stadt dienen und eben nicht leicht erreichbar sein sollte. Mit der äußeren Erschließung wird der Wilhelmsburg, bildlich gesprochen, ein Bypass gelegt. Die Wilhelmsburg erhält damit wieder einen Anschluss an den Stadtkörper, eine Lebensader, ohne die jegliche zukünftige Nutzung unmöglich wäre.
Die Anbindung der Wilhelmsburg soll dabei nicht mehr ausschließlich über das Stadtviertel auf dem Michelsberg erfolgen. Die Stadt Ulm hatte daher Planungen zur äußeren Anbindung im Januar 2012 erneut aufgenommen  als die Bundeswehr Verkaufsbereitschaft von Teilen des Bundeswehrgeländes angezeigt hat. Die Planungen wurden durch Anregungen zu alternativen Erschließungsvarianten u.a. durch den Förderkreis Bundesfestung Ulm e.V. und des BUND Ulm begleitet. Die Vorschläge wurden von der Stadtverwaltung aufgenommen und eine bevorzugte Erschließungsvariante erarbeitet.

Im Rahmen des Projektes können die nun die bereits weit fortgeschrittenen Planungen weiter vorangetrieben und auch umgesetzt werden. Die Wilhelmsburg soll von Norden über die Stuttgarter mit einer Fahrstraße und Brückenbauwerk erschlossen werden. Zudem soll, entsprechend der Bedeutung des Bauwerks, ein neuer Ankunftsbereich geplant und umgesetzt werden. Mit der Umsetzung dieser Maßnahmen, kann der Wilhelmsburg der „lebensnotwendige Bypass“ gelegt werden.

3. Innere Erschließung der Wilhelmsburg – Bauliche Maßnahmen

Für eine dauerhafte Nutzung der Wilhelmsburg ist eine technische Grundversorgung durch Strom, Wasser und Abwasser sowie die Herstellung einer Nutzbarkeit der Räume unumgänglich. Auf Basis bereits gewonnenen Erfahrungen aus den Jahren 1990/91 (Bau einer Musterachse im Südflügel) hat die Bauverwaltung der Stadt Ulm untersucht, wie die innere Erschließung der Wilhelmsburg hergestellt bzw. erneuert werden kann. So wurde ein System neuer Erschließungskerne zur Herstellung der erforderlichen Flucht- und Rettungswege und zentraler Einrichtungen der technischen Gebäudeausstattung definiert.
Die innere Erschließung schafft die infrastrukturellen Voraussetzungen für die zukünftige, innere Nutzung und ermöglicht die Erschließung des massiven Baukörpers.

Im Rahmen des Förderprogrammes soll ein erster konkreter Baustein für die Theaternutzung für den Theatersommer umgesetzt werden. Desweiteren soll im Rahmen des Förderprogrammes die Neugestaltung des Innenhofs geplant und in einem ersten Bauabschnitt (1.BA) umgesetzt werden. Ebenso soll im Rahmen des geförderten Projektes ein Erschließungskern geplant und errichtet werden. Mit dem Bau von Erschließungskernen  können benachbarte und bisher unerschlossene Räumlichkeiten weiterentwickelt werden.

Weitere Ziele:

Diese weiteren wesentlichen Bausteine  sollen im Rahmen des städtischen Haushaltes weiterentwickelt werden und sind nicht  Bestandteil des geförderten Projektes.

Entwicklung des Freiflächen / Glacispark-Konzepts
Fortführende Integration der Wilhelmsburg in das Stadtentwicklungskonzept und die Freiflächenentwicklung

Sanierung und Instandsetzung der Wilhelmsburg
Fortführender Bauerhalt des denkmalgeschützten Gebäudes, als Teil der größten erhaltenden Festungsanlage Europas

 

(Quelle: Zuwendungsantrag Nationale Projekte des Städtebaus vom 30.11.2015; Stadt Ulm BM3)