Projekte 2018

Im Rahmen des Pop Up Space 2018 wurden an 51 Spieltagen rund 300 Akteure und 12.000 Besucher auf die Wilhelmsburg gelockt. Von Juli bis September wurden dort zahlreiche Kultur- und Kreativprojekte umgesetzt und unterschiedlichste Alters- und Zielgruppen angesprochen. Der Veranstaltungssommer „Stürmt die Burg 2018“ hat der Willhelmsburg auf alle Fälle eine ordentliche Portion Leben eingehaucht.

Folgende Projekte wurden im Rahmen des Pop-Up-Space 2018 umgesetzt:

von Claudia Lemke (Theater Mücke)

Kinder an die Macht! Im April haben sich 36 Kindergartenkinder von der Alpenstraße entschlossen schon vorab die Burg zu stürmen und dort Theater zu spielen, ihr Thema: die Wilhelmsburg. Zusammen mit Claudia Lemke haben sie hierfür die Wilhelmsburg erlebt sowie sich spielerisch und fantasievoll mit deren Geschichte und Architektur auseinandergesetzt. Jörg Zenker hat sie mit seiner Burgführung bei ihrem Einstieg eindrucksvoll begleitet. Die Kinder waren seitdem öfter oben auf dem Berg und haben die Burg besucht, erfühlt, beobachtet, gemalt und sogar mit Steinen und Zement nachgebaut.

Die Erfahrungen der Kinder wurden theaterpädagogisch erarbeitet und auf dem Burgfest am 13. Juli präsentiert.

von Silvia Wienefoet und Ralph Walczyk

Meins, alles meins! Um der Wilhelmsburg und unserem Anspruch als Bürger darauf mehr Sichtbarkeit zu verleihen, wurde der Schriftzug „This is | mine | all mine“ auf die Fassade angebracht. Das Kunstwerk von Silvia Wienefoet und Ralph Walczyk stellte sich den Fragen „Wem gehört der öffentliche Raum?“, „Wem gehört ein nationales Kulturdenkmal?“ und „Wem gehört letztendlich die Burg?“.

von Ines Fiegert, Jeremias Heppeler und Christof Heppeler

Unter dem Titel „Das Polygonalsystem“ bespielte das Künstler-Trio ein Stockwerk des Flankturms. Dieser einzigartige und unberührte Raum wurde von Ines Fiegert mit einem Netz umwoben, welches um visuelle und akustische Elemente erweitert wurde. Darüber hinaus nahm das Trio durch audiovisuelle Reize, Projektionen, Texte und Malerei Bezug auf die omnipräsenten Spuren und Zeichen der Wilhelmsburg. Die Gäste konnten sich selbst im Netz bewegen und Klänge erzeugen – so entstand ein Hybrid aus Ausstellung, Performance und interaktiver Installation.

Nachtkultur Tuttlingen, Installation am Brunnen, der Teil das Ganze.

vom Kollektiv carly/lasker-berlin/scheer

In drei verschiedenen Räumen durchschritt das Publikum die Zeit und wurde in ganz gegenwärtig wirkende Situationen versetzt, denen sie nicht einfach entfliehen konnten, deren Gehalt an Fiktion und Authentizität sie immer selbständig überprüfen mussten. Was kann es heute noch heißen einen Bund zu gründen oder sich in eine Festung zurückzuziehen ohne gleichzeitig der reaktionären und rassistischen Neigung vergangener und aktueller Zeiten nachzugeben, sich als Gemeinschaft abzuschotten und andere auszuschließen?

Der Arbeitskreis Kultur (AKK) ist ein Zusammenschluss von derzeit 60 Ulmer Kulturakteuren und dient als Plattform, um Ideen, aber auch Herausforderungen, die Kulturarbeit in Ulm betreffend, zu diskutieren, voranzutreiben und sich zu vernetzen. Mit dem Einzug der Wilhelmsburg in das Ulmer Kulturleben durch den „Pop Up Space“, haben wir die Gelegenheit genutzt, die zahlreichen unterschiedlichen Facetten des AKK aufzuzeigen. Hierfür wurde jeden Donnerstag im August und September ein Abend auf der Wilhelmsburg veranstaltet.Showbuddies Improtheater

Vom 01.08.2018 bis zum 30.09.2018 zogen die aktiven Mitglieder des Neuen Saarbrücker Kunstvereins in die Wilhelmsburg ein.

Über den Zeitraum von acht Wochen und in vier öffentlichen Veranstaltungen haben geladene Kunstschaffende gemeinsam mit dem Neuen Saarbrücker Kunstverein die Festung erkundet.
In einem vorgesehenen Rhythmus von zwei Wochen wurde mit wechselnder Belegschaft die Festung neu gedacht. Und so der geistigen Verfestigung entgegengewirkt.
In dieser Zeit wurden auch die Vorbereitungen für den Empfang des Publikums getroffen, die schließlich in einem sonntäglichen Programm, „den Burgfestspielen“, gemündet haben.

Gemeinsam ging es den aktiven Mitgliedern, Freunden des Vereins und geladenen Gästen, in erster Linie darum, Zeit miteinander zu verbringen . Während dieser Zeit hatte jeder der Beteiligten die Freiheit das zu tun/ untersuchen/ experimentieren/ herausfordern/ schmecken/ hören/ sehen, worauf sie oder er Lust hatte. Aus dieser Freiheit entwickelte sich ein Selbstverständnis, welches in die Entfaltung von Projekten mündete, die schließlich dem Publikum zugänglich gemacht wurden. Durch diese Spontanität wuchsen und entwickelten sich Formate, welche im Vorhinein nicht planbar waren.

Die geladenen Künstlerinnen und Künstler und deren Konzepte standen im Fokus der öffentlichen Veranstaltungen. Diese haben Formen wie Performances, Ausstellungen, Aktionen und Spaziergänge angenommen und wurden jeden zweiten Sonntag präsentiert. Neben diesem Hauptprogramm gab es kleinere Projekte der aktiven Mitglieder und der Freunde des Vereins, die ebenfalls Einzug in die Veranstaltungen gefunden haben.

Die Kinderburgfestspiele waren ebenfalls fester Teil der Veranstaltungsreihe. Den Kindern aus der Umgebung wurde die Möglichkeit geboten 24 Stunden mit dem Kunstverein die Burgfestspiele zu erleben. Hierzu wurde ein Kinderprogramm mit Spielen und Workshops angeboten. So wurde eine spielerische Herangehensweise an die zeitgenössische Kunst anhand der zu diesem Zeitpunkt laufenden Ausstellung vermittelt.

Der Verein konnte auf ein großes Netzwerk von Freunden zurückgreifen.
Die Freunde des Vereins sind ehemalige aktive Mitglieder, befreundete Künstler oder einfach Menschen, die dem Verein gewogen sind.
Die Freunde des Vereins sind aus verschiedenen Städten Deutschlands und benachbarten Staaten wie Luxemburg, Frankreich, Belgien und den Niederlanden angereist, um bei den Burgfestspielen mit zu wirken.

Während den Monaten August und September hat der Neue Saarbrücker Kunstverein in der Stadt Ulm gewohnt und die Burg intensiv gelebt. Die Eingriffe haben nicht nur auf der Wilhelmsburg, sondern auch im freien Umfeld und dem städtischen Raum stattgefunden. Darüber Hinaus haben wir mit Institutionen vor Ort zusammengearbeitet, wie z.B. mit K25 Projektraum oder dem Kunstverein Ulm.

Veranstaltung Wolf Kohl Ziege, Ein mathematisches Theater

von den Agenturen  „Widerstand und Söhne“ & „Bootschaft | Büro für Gestaltung

Für das Projekt „Wilhelmsbüro | Creative Space“ haben zwei junge Ulmer Firmen ihren Arbeitsplatz einmal die Woche für zwei Tage (48h) über einen Zeitraum von 5 Wochen in die Wilhelmsburg verlegt. Das Firmen-Duo bestand aus der Hard- und Software-Schmiede “Widerstand und Söhne” und dem Designbüro “Bootschaft | Büro für Gestaltung”. In dieser Zeit sind sie nicht ihrem normalen Tagesgeschäft nachgegangen, sondern haben sich vorab gestellten und dem Team zuvor unbekannten Aufgaben und Problemstellungen von Ulmer Bürgerinnen und Bürgern gewidmet. Über eine Online-Plattform wurden die verschiedensten Aufgabenstellung eingereicht. In 48 Stunden wurde an einer Lösungen gearbeitet und anschließend der Öffentlichkeit präsentiert.

Alle 5 Aufgaben gibt es auf Vimeo zu sehen!

 

von Alan Hilario

„Der Grundriss des Werkes FÜNF RÄUME – SIEBEN MUSIKERiNNEN für kleines Ensemble und Zuspielband hat sich aus den Räumlichkeiten der Wilhelmsburg in Ulm abgeleitet: vier Räume nebeneinander, ein angrenzender Flur und 8 Türen, die für mich sogar wichtiger als die Räume waren. Sie dienten als Werkzeug, um etwas herein- oder außen vor zu lassen bzw. um Akzeptanz oder Ablehnung zu demonstrieren. Während der Aufführung wurden die Türen in zahlreichen Kombinationen geöffnet oder geschlossen.

Mit „FÜNF RÄUME“ wurde zweierlei artikuliert: erstens die Verwendung des Flurs als weiterer Beschallungsraum wie bei einer „Ferntrompete“ im klassischen Repertoire und zweitens – da der SWR das Werk aufgenommen hat – der fünfte Raum als der Raum, in dem – wo auch immer – bei der Sendung dieses Stücks ein Radio gestanden hat. Die Radiohörer haben allerdings im Gegensatz zum Live-Publikum – welches das Stück eher „fragmentarisch“, dafür aber mit einem ausgeprägten räumlichen Aspekt wahrgenommen – eine Stereo-Fassung aus allen Räumen gehört. 

Während das Publikum an einen Sitzplatz gebunden war, haben die MusikerInnen in den Räumen insgesamt 38 Mal ihre Positionen gewechselt, wodurch sich eine Vielfalt an Nah- und Fernbezügen zwischen Zuhörern und InstrumentalistInnen ergab. Dabei musste man in Kauf nehmen, dass – während in der Stereo-Fassung die Klänge der Partitur entsprechend gemischt wurde – in der Live-Version daraus zwangsweise etliche Disbalancen resultiert haben. Es gab sogar Stellen, wo das Publikum nur Nebenklänge gehört hat: es befand sich sozusagen in „Wartestellung“ bis ein/e MusikerIn wieder diesen Raum betreten hat. Solche unkonventionellen Hörweisen warne gewollt und basierten – wie bereits erwähnt – auf den Gegebenheiten der Konzerträume. Das Werk wurde jedoch an beiden Konzertabenden wiederholt, sodass jeder Zuhörer bei der zweiten Aufführung in einen anderen Raum wechseln konnte, um sich eine neue Perspektive zu eröffnen.

Flucht und Migration ist das Thema, das ich angegangen habe, ohne dabei das dokumentarisches Bild- oder Klangmaterial zur Schau gestellt wurden. Stattdessen wollte ich den Fokus auf jene Klänge lenken, die zu den Menschen in privilegierter Lage gehören, welche auch die Macht haben, das Schicksal anderer Menschen zu bestimmen. Basierend auf solchen Klängen wurde das Zuspielband gebildet: nach einem Aufruf zu einer „sound files donation“ habe ich diverse Symbolklänge meiner Komponisten- und MusikerkollegInnen erhalten, die speziell für dieses Projekt einen Klang für mich aufgenommen haben. Dies sollten „Alltagsgeräusche aus dem persönlichen Umfeld sein – alles, was wegfallen würde, wenn man mit der Ungewissheit flüchten müsste, möglicherweise nicht wieder zurückkehren zu können.““

Alan Hilario

Mitwirkende Musiker/Musikerinnen:
Vanessa Brenzinger-Schüz, Flöte
Karin Schweigart-Hilario, Flöte
Mark Lorenz Kysela, Saxofon
Anne Schumacher, Violoncello
Sebastian Berweck, Tasteninstrumente
Pascal Pons, Schlagzeug

von Joachim Fleischer

In der Lichtinstallation „Tomogramm“ von Joachim Fleischer bildete sich eine Art Tomographie der vorhandenen Architektur ab. Im langen Verbindungsgang innerhalb der Festung wurden Lichtquellen installiert, welche Lichtlinien ausgesendet haben. Diese legten durch das Scannen Details und Fragmente des Ortes offen: das Licht sezierte den Raum. Die einzelnen Lichtabschnitte schreiteten mit dem Besucher, bewegten sich auf ihn zu oder entfernten sich und gewannen so Autonomie. Wie Erinnerungsfetzen drängten sich die Scanabschnitte auf oder verhallten wie ein Knall in der Tiefe des Raumes, dessen Dimension und dessen Geschichte assoziativ und bruchstückhaft erschien. Trotz der Reduzierung der Mittel und den radikalen Einsatz von Nähe und Ferne, entstanden in den Abschnitten des Raumes durch das Abtasten mittels Licht Arten von Raum-Zeit-Modellen.

Weitere Infos zu dem Projekt und Künstler gibt es hier.

Am 2. Adventswochenende kombinierte das Projekt „IM KLANGSTROM. BURG | STADT | BURG. ULMER VERTONUNGEN.“ von Renate Hoffleit und Michael Bach Bachtischa Aufführungen auf der Wilhelmsburg und im Ulmer Münster. Im Mittelpunkt des Projekts stand die Metamorphose von Klängen und Geräuschen von zwei entfernt liegenden Orten (Ulmer Münster & Wilhelmsburg) mittels der Klanginstallation VERTONUNG. Dabei filterten mit Mikrophonen ausgestattete Röhren bestimmte Frequenzen aus dem akustischen Geschehen der Orte heraus. Diese Klänge wurden digital zum jeweils anderen Ort übertragen, dort erneut VERTONT und wieder digital zurückgesendet.
Begleitet wurden die Kompositionen von M. Bach Bachtischa für Cello und Stimme. Der Klang der menschlichen Stimme wurde bei den Performances von Angelika Meyer und Frank Wörner im Münster ebenfalls VERTONT. Auch Ulm-typischen Klängen spürten die Projektverantwortlichen nach: dem Geläut der Münster-Glocken, Verkehrsgeräuschen und Wassergeräuschen der Blau. Zeitgleich wurden Videos aufgezeichnet, die simultan mit den VERTONUNGEN projiziert wurden.

Wie’s genau funktioniert hat, seht ihr hier: https://youtu.be/jOiVS9trbKM

Das Projekt wurde maßgeblich gefördert vom Innovationsfonds Kunst Baden-Württemberg, sowie der Kulturabteilung der Stadt Ulm, der Landesbank Baden-Württemberg und der Ulmer Münstergemeinde.

Das Projekt hat vom 7. bis 9. Dezember statt gefunden.